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Das Sine-Saloum Delta leben: Rhythmus und Praxis zwischen Nass und Trocken

Diese Dissertation erforscht die verkörperten und verörtlichten Praktiken von Delta-Bewohnern im Kontext von unsteter Ökologie und Sozialität, die nach Flexibilität, Improvisation und Kreativität verlangen und unsere Konzepte von Resilienz und Anpassung auf den Prüfstand stellen.

Das Sine-Saloum-Delta ist eine sogenannte hypersaline inverse Flussmündung, in der Salzwasser weit und aufgrund der Abholzung von Mangrovenwäldern, des Meeresspiegelanstiegs oder der sich ändernden Niederschlagsmuster, zunehmend landeinwärts fließt. Dies führt wiederum zu Versalzung, Verschlammung, Bodensenkungen, Erosion sowie zu Süßwassermangel und stellt die Bewohner (vor allem Serer im Norden und Mandinka im Süden), die seit Jahrhunderten mit und zwischen Wasser und Land leben, vor bekannte sowie neue Herausforderungen.

Das Sine-Saloum-Delta, verstanden als ein Netzwerk hydrosozialer Beziehungen, unterliegt einer ständigen Neukonfiguration entlang der Reibungen und Resonanzen von sozialen Praktiken und Diskursen, Umweltprozessen sowie technologischen und politisch-ökonomischen Kräften - etwa Salzwasserintrusion, der entsprechenden Eindämmungs-Infrastrukturierung, (Selbst-) Regulierung von Extraktion und Handel, Narrative rund um Autochthonie und Zugehörigkeit, oder Arbeit und Mobilität die durch Gezeiten und Saisonalität mitbedingt werden. 

Meine Studie zielt darauf ab, dieses Netzwerk mit dem Fokus auf Arbeitspraktiken und durch die analytische Linse des Rhythmus' zu untersuchen und anthropologisches Denken über Arbeit mit dem Denken über Umweltbeziehungen zusammenzubringen. Um zu untersuchen, wie sich die Delta-Bewohner mit den verschiedenen Rhythmen des Deltas umgehen und diese mitgestalten, werde ich mich auf die Aktivitäten des Muschelsammelns, der Salzgewinnung, des Fischfangs, der Landwirtschaft, der Salzwasser-Eindämmung und der (Im)Mobilität usw. und die Diskurse um sie herum fokussieren. Ich frage dabei: Was arbeiten die Delta-Bewohner und was erleben sie, wenn sie arbeiten? Wie beziehen unterschiedliche Personen und Gruppen ihre Arbeitspraktiken auf ihre volatile Umgebung (d. H. ihre Strategien) und wie gehen sie mit Resonanz, Reibung oder sogar Misserfolg um? Warum wenden sie bestimmte Strategien an, um ihre Arbeitspraktiken (d. H. die Verhandlung zwischen verschiedenen Strategien) möglich zu machen? Und schließlich, wie hängen Arbeitspraktiken mit Ort und Zeit zusammen?

Dieses Teilprojekt wird von Sandro Simon geleitet. Er arbeitete zuvor im Tana Delta (Kenia), musste seine Forschung dort aber aus Sicherheitsgründen abbrechen.